Auch heute sind CDs keineswegs „out“! Es werden zwar insgesamt weniger CDs verkauft , als physische, haptische Tonträger sind sie dennoch nach wie vor ein wichtiger Teil einer (klassischen) Musikproduktion. Auch wenn es verlockend erscheint, Musikproduktionen nur über Spotify und Apple Music online zu vermarkten, gehört die CD weiterhin zum Medien-Portfolio. Und sie ist technisch nach wie vor exzellent. Die Tonqualität einer guten CD als Endprodukt ist immer noch überragend und in keiner Weise schlechter, als das, was man online laden kann. Auch ein Apple Digital Master wird definitiv nicht besser klingen als eine hochwertig gemasterte CD.
Der Zweck einer CD-Produktion
Diese Frage sollte als erste beantwortet werden. Wollt Ihr Euch selbst vermarkten, eine CD an Konzertveranstalter schicken, oder geht es euch primär um den Verkauf Eurer Aufnahme, wollt ihr gar ein eigenes CD-Label gründen? Je nach dem Zweck der CD gibt es auch unterschiedliche Ansätze zur Finanzierung, Repertoire-Wahl und der späteren Veröffentlichung, die man von Anfang an mitberücksichtigen sollte. Davon abhängig ist auch beispielsweise die Auflage, also die Anzahl an CDs, die Ihr pressen lassen wollt, was natürlich auch Auswirkungen auf die Gesamtkosten hat. Die Aufmachung der CD wird ebenfalls vom Zweck abhängig sein.
Erfahrungsgemäß kann man nach Konzerten immer ein paar CDs verkaufen. Wenn ihr viele Konzerte gebt, kann dies eine wichtige Einnahmequelle sein, um die Aufnahme- und Produktionskosten zu finanzieren.
Repertoire
Natürlich ist das Repertoire ein wichtiger Punkt, vor allem, wenn die CD einen bestimmten Zweck erfüllen soll. Ein völlig unbekanntes Werk eines unbekannten Komponisten, gespielt von einem unbekannten Ensemble lässt sich beispielsweise nur vermarkten, wenn auch entsprechend Werbung gemacht wird. Sonst weiß ja keiner, dass dieses Werk existiert und sucht nicht danach. Andererseits kann ein unbekanntes Werk eines sehr bekannten Komponisten unter Umständen eine Sensation sein. Wenn ihr also ein bisher noch gar nicht bekanntes und vor allem noch nicht aufgenommenes Repertoire von Bach, Mozart oder Beethoven entdeckt – Glückwunsch. Rückt gleich vor zum nächsten Punkt.
Ansonsten ist es eventuell ratsam, eine Kombination von Werken unbekannter und bekannter Komponisten zu planen. Wenn Ihr beispielsweise ein völlig unbekanntes Kammermusikwerk aufnehmen wollt, überlegt, ob es nicht zusammen mit einem Werk eines bekannten Zeitgenossen in gleicher Besetzung aufgenommen werden könnte. So werden Interessenten eher auf Eure Entdeckung aufmerksam.
Andererseits muss es aber nicht immer eine CD mit Bach, Mozart, Beethoven oder Brahms sein, es gibt durchaus Komponisten, die noch nicht völlig „abgegrast“ sind, aber dennoch Fans haben. Meine eigenen CD-Produktionen zählen fast alle in diese Kategorie. Allerdings sollte man dann schon auch einige Werbung für die Aufnahme mit einplanen.
Rechte, GEMA usw…
Vorweg: Sollte das Musikwerk (also das Stück, was ihr aufnehmen wollt) eures CD-Projekts noch unter Urheberrecht stehen, kommen weitere Hürden und fast immer Kosten auf Euch zu. Werke, deren Komponisten noch leben oder noch keine 70 Jahre verstorben sind, unterliegen dem Urheberrecht. Im Falle von Musik wird dieses in Deutschland meist von der GEMA vertreten, die dafür sorgt, dass die Komponisten oder deren Nachkommen ihre rechtmäßigen Einnahmen erhalten. Daran kommt man dann auch nicht vorbei bzw. riskiert unter Umständen lange Gerichtsverfahren und hohe Schadenersatzforderungen. Solltet ihr ein solches Werk aufnehmen wollen, nehmt mit der GEMA oder der entsprechenden Instanz Kontakt auf und klärt die Kosten vorab.
Aber auch GEMA-freies Repertoire kann, unter bestimmten Umständen, durch Rechte Dritter geschützt sein. Wenn ihr beispielsweise in einer Bibliothek ein bisher nicht veröffentlichtes Werk findet, solltet ihr mit der Bibliothek Kontakt aufnehmen, denn es kann sein, dass die Publikationsrechte bereits vergeben sind (und dies betrifft dann meist auch die Rechte für die (Erst-)Aufnahme). Diese Rechte gelten in der Regel für 25 Jahre und dienen dem Schutz des Finders bzw. des Erstveröffentlichers. Sollten diese noch nicht vergeben sein (was sehr wahrscheinlich ist), könnt ihr diese Rechte eventuell selbst in Anspruch nehmen, dies muss aber ggfs. mit dem Besitzer geklärt werden. Sofern es sich dabei um eine öffentliche Institution handelt, stehen Eure Chancen gut.
Sofern es sich bei Euerm Vorhaben aber um ein Werk eines Komponisten handelt, der vor mehr als 70 Jahren verstorben ist, und welches bereits vor über 25 Jahre im Druck erschienen ist, dann gibt es in der Regel keine Werkrechte mehr und ihr dürft das Werk veröffentlichen und/oder aufnehmen. Das heißt nicht, dass ihr nicht trotzdem eine Freistellung bei der GEMA beantragen müsst, die ist nämlich Pflicht für alle Musik-CD-Produktionen in Deutschland, aber diese Freistellung ist dann eine Formalität. Die GEMA erwartet vollständige Angaben zu den gespielten Werken und erteilt dann, in der Regel zeitnah, die Freistellung für das CD-Presswerk. Auf Wunsch übernehmen die Presswerke diese Formalität für Euch – das kann man aber auch selbst machen und Kosten sparen. In diesem Fall ist das dann einer der letzten Schritte einer CD-Produktion (weil dafür die genauen Spieldauern bekannt sein sollten). Aber es ist besser, man klärt diese Fragen gleich am Anfang.
CD-Label für die Veröffentlichung
Vielleicht habt ihr schon die Zusage eines CD-Labels (also ein CD-Verlag, der am Ende Eure CD in sein Programm aufnimmt und sich auch um wesentliche Teile des Vertriebs und der Vermarktung kümmert). Dann solltet ihr dennoch gleich zu Anfang klären, was das CD-Label alles übernimmt, vor allem an Kosten. Größere Labels übernehmen die gesamte Aufnahme und Produktion. Wenn ihr so einen Vertrag angeboten bekommt, dann gehört Ihr zu den wenigen Glücklichen. Noch glücklicher, wenn es sogar eine Bezahlung für Eure Arbeit gibt. Leider bekommen nur noch sehr wenige Musiker solche CD-Verträge. Heute muss man schon froh sein, wenn zumindest die Kosten für die CD-Pressung übernommen werden, was eher die Ausnahme ist.
Leider müssen heute die meisten kleinen CD-Produktionen komplett selbst bezahlt werden, von der Aufnahmetechnik, Schnitt bis hin zur CD-Pressung und der Vermarktung. Deshalb: Auch wenn es ungerecht erscheint: Wenn Ihr ein Label findet, welches zumindest einen Teil der Produktionskosten übernehmen würde, überlegt euch das gut.
Es gibt auch Dienstleister, die Euch die notwendigen Formalitäten eines Labels (Label-Code, ISRC-Codes, Barcodes usw.) zur Verfügung stellen und eventuell einen Basis-Vertrieb übernehmen. Allerdings verzichtet ihr dann auch auf die Label-Einnahmen aus Rundfunksendungen usw. (die normale Zahlung an die Künstler durch die GVL ist hiervon nicht betroffen, allerdings gibt es die nur, wenn die CD auch im Rundfunk gespielt wird, worum sich ein solcher Dienstleister oft nicht kümmert). Ob so etwas für Euch in Frage kommt, solltet ihr gut überlegen.
Alternativ könntet ihr auch ein CD-Label selbst gründen, allerdings ist das nicht ganz kostenfrei und erfordert die Gründung einer Gesellschaft, die Bilanzierung und Mwst.-Abrechnungen usw. Vor allem müsstet Ihr dann einen Label-Code und einen ISRC-Schlüssel beantragen, sowie eine GTIN (früher EAN) pro CD kaufen. Ohne diese Codes kann Eure CD nicht im Rundfunk gesendet und über Händler verkauft werden. Wenn ihr vorhabt, mehrere CDs zu veröffentlichen, kann sich die Gründung eines Labels lohnen, Ihr müsstet dann allerdings auch noch einen oder mehrere Vertriebe finden, die dafür sorgen, dass Eure CDs auch käuflich sind. Möglich ist das, aber nicht ganz einfach. Profit werdet ihr vermutlich auch dann nicht machen können.
Finanzierung
Die Finanzierung ist natürlich ein wesentliches Thema. Die Kosten für eine CD-Produktion sind zwar in den letzten Jahren stark gefallen, aber immer noch hoch für die meisten jungen Musiker, und einige dieser Kosten fallen an, lange bevor die CD überhaupt verkauft werden kann. Wenn ihr kein CD-Label habt, welches für die Kosten aufkommt, müsst ihr andere Finanzierungsmöglichkeiten suchen, und zwar bevor das Projekt startet.
Möglichkeiten sind z.B. ein Crowd-Funding, Stiftungen, Sponsoren. Oder Ihr habt genügend gespart und wollt mit eigenem Geld produzieren. Vermutlich werdet ihr wenig von diesem Geld zurück bekommen.
Es ist unmöglich, eine pauschale Aussage über die zu erwartenden Kosten einer CD-Produktion zu machen.
– Wenn ihr weitere Musiker einbindet, klärt vorher, ob diese bezahlt werden müssen. Auch Unterkünfte müssen ggfs. eingeplant werden.
– Ein Aufnahmeraum muss eventuell für mehrere Tage gemietet werden. Bestimmte Instrumente (wie ein Aufnahme-tauglicher Konzertflügel) müssen ebenfalls oft gemietet werden.
– Braucht es einen auf Abruf zur Verfügung stehenden Klavierstimmer? Reisen Musiker von weiter weg an und haben Reisekosten?
– Für Technik und Schnitt braucht ihr Fachleute bzw. ein „Studio“ (was in der Regel mobile Technik bedeutet, nicht einen Raum) – natürlich biete ich hierfür gerne meine Dienste an. Preise usw. findet ihr auf meiner Internetseite.
– Für Booklet und Verpackung einer CD müssen entsprechende Grafikdateien hergestellt werden. Vielleicht kennt ihr Euch damit selbst aus oder jemand kann das für Euch kostenlos übernehmen, sonst entstehen auch hier Kosten.
– Die CD-Pressung selbst ist zwar nicht unbedingt das Teuerste der Gesamtproduktion, aber auch nicht umsonst zu haben. Die Kosten hierfür hängen neben der Auflage auch stark von der Verpackung und dem Umfang des Booklets ab. Die Preise dafür stehen auf den Internetseiten der entsprechenden Firmen, z.B. HOFA-Media oder deineScheibe. Eine einfache CD-Produktion (Jewelbox, Inlay, 4-seitiges Booklet, 300 St.) kostet ab ca. € 670,- plus MwSt.
Erwartet nicht, dass die CD-Verkäufe die Kosten der Produktion wieder einbringen werden, dies ist nur noch sehr selten der Fall. Betrachtet eine CD-Produktion eher als eine Werbemaßnahme, die zwar Geld kostet, aber Euch oder Euer Ensemble ins Gespräch bringt, als Werbematerial an Veranstalter verschickt werden kann und Euer Stammpublikum erfreut. CD-Produktionen werden auch gerne in Rundfunksendungen vorgestellt, was Euch dann auch wieder ein paar zusätzliche Einnahmen bringt (über die GVL sowohl für die Künstler als auch für das Label).
Aufnahmedauer
Ein wichtiger Punkt, der in der Planung berücksichtigt werden muss: Wieviele Aufnahmetage müsst ihr einplanen? Das hängt natürlich auch von vielen weiteren Faktoren ab, aber so Pi mal Daumen gilt: Gut vorbereitet lassen sich maximal 20-25min Spielzeit pro Tag (bei 6 bis 7 Stunden Aufnahmezeit/Tag) aufnehmen. Für eine komplette CD ergibt dies drei Tage. Wenn das Repertoire anspruchsvoll ist, sollte man möglichst einen weiteren Tag einplanen.
Raum
Der Raum ist wichtig bei akustischen Produktionen, denn er „klingt immer mit“. Die meisten akustischen Instrumente klingen in erstklassigen Akustiken viel besser als in schlechten. Klassische Musik sollte deshalb in einem dafür geeigneten Saal (oder z.B. in einer Kirche) aufgenommen werden. Kleine Studios mit trockener Akustik (wie sie für Popmusik und ähnliche Produktionen verwendet werden) sind dafür in der Regel nicht geeignet.
Wichtig ist neben einer guten Akustik (mit möglichst viel Holz) auch möglichst durchgehende Stille im Raum. Verkehrslärm kann Aufnahmen unmöglich machen. Ein Kindergarten nebenan ist auch nicht ideal. Heizungsgeräusche, eine Lüftungsanlage, Toilettenspülungen u.ä. können sehr störend sein. Hierbei müssen oft Kompromisse eingegangen werden, denn viele bezahlbare Räume (Kirchen usw.) können keine durchgehende Stille garantieren. Plant dies bei Eurer Produktion mit ein.
Instrument(e)
Diese Frage ist natürlich nicht für alle Produktionen relevant, die meisten Musiker haben ihr eigenes Instrument. Soll dagegen ein Konzertflügel, eine Orgel oder andere schwer oder gar nicht transportable Instrumente aufgenommen werden, dann ist dies eventuell ein wesentlicher Planungs- und Kostenfaktor. Gerade Aufnahme-taugliche Konzertflügel müssen meist gemietet werden, außerdem müssen diese von einem Fachmann gestimmt und gewartet werden. Sofern es um eine Orgelaufnahme geht, klärt frühzeitig ob diese technisch einwandfrei und gestimmt ist. Bei Aufnahmen von Orgel mit weiteren Musikern müssen auch die Räumlichkeiten geklärt werden, am Besten mit den Tontechnikern, denn solche Aufnahmen sind oft sehr schwierig, wenn die Musiker beispielsweise auf der Orgelempore positioniert sind, das Orgelwerk aber an ganz anderer Stelle aufgenommen werden muss. (Ich spreche aus Erfahrung: Ich war als Musiker an mehreren Aufnahmen von Orgelkonzerten beteiligt, die zunächst aus diesen Gründen abgebrochen werden mussten.) Aber auch ein Cembalo oder ein Hammerflügel erfordert Planung: Gibt es genügend Platz, wer stimmt das Instrument, wer repariert, wenn etwas nicht funktioniert?
Spielpartner, Ensemblemitglieder
Neben der Finanzierung – nicht jeder Kollege teilt vielleicht Euren Enthusiasmus für das Projekt und stellt seine Arbeitszeit kostenfrei zur Verfügung – geht es hierbei auch um die logistische Planung: Sind alle Musiker verfügbar? Wie reisen sie an? Wo sind sie untergebracht?
Aber auch im weiteren Verlauf gibt es einiges zu bedenken: Gibt es einen Leiter oder Hauptverantwortlichen? Wie werden Entscheidungen während der Aufnahme oder beim Schnitt gefällt, wer darf/muss/sollte Mitspracherecht haben? Diese Dinge müssen im Vorfeld geklärt werden, sonst kommt es eventuell am Ende zu Kompetenzgerangel. Im schlimmsten Fall gibt einer der Musiker die Aufnahme nicht frei, oder verlangt im Nachhinein Beteiligungen, die nicht vorgesehen waren. Am Besten, ihr legt das alles vorher fest, insbesondere wenn Ihr die Leitung des und Entscheidung über das Gesamtprojekt in Anspruch nehmt. Ich spreche da aus Erfahrung…
Am Saubersten ist es natürlich, wenn vor der Aufnahme klare Verträge geschlossen werden. (An dieser Stelle ein Hinweis: Die Aufführung und Aufnahme eines existierenden Musikwerks stellt selbst kein urheberrechtlich geschütztes Werk dar.)
Aufnahme, Produktion und Aufnahmeleitung
Die Zusammenarbeit mit einem Aufnahmeleiter (der in der Regel dann auch den Schnitt anfertigt) erfordert viel Vertrauen. Dieser sollte verstehen, was ihr wollt und nicht seinen eigenen Stempel aufzwingen. Gleichzeitig muss er aber auch bereits während der Aufnahme wissen, was am Ende zusammenpassen wird. Schon bevor ihr aufnehmt, sollte der Aufnahmeleiter in das Projekt involviert werden und wissen, worum es geht. Auch über Eure Klangvorstellungen sollte es bereits vorher einen Austausch geben, denn davon hängt nicht zuletzt die Mikrofonierung ab. Vielleicht schlagt Ihr eine Referenzaufnahme vor, die Euer Klangideal gut ausdrücken kann.
Der Aufnahmeleiter muss auch die Zeitplanung des Gesamtprojekts im Auge behalten. Was nützt es euch, wenn Ihr am Ende ein Stück wirklich zu 100% perfekt aufgenommen habt, aber nach der gesamten Aufnahmezeit nur 20min Material für die CD habt?
Ihr solltet auch früh über die Aufstellung der Musiker während der Aufnahme nachdenken, denn davon ist die Mikrofonierung und vor allem auch die Wahl der Mikrofone abhängig. Für viele Ensembles mag es nur eine sinnvolle Aufstellung geben. Ein Streichquartett, welches immer in einer bestimmten Formation spielt, sollte dies auch bei der Aufnahme so tun. Aber selbst hier wäre die Frage zu stellen, ob das Cello eventuell auf ein Podest platziert werden sollte und wie groß der Abstand der Musiker sein sollte. Relevant wird die Frage z.B. bei einer Aufnahme von Liedern mit Klavier: Will die Sängerin/der Sänger wie im Konzert stehen (also vor dem Flügel, einem fiktiven Publikum zugewandt) oder lieber dem Klavier zugewandt für eine bessere Kommunikation (beides ist möglich!)?
Ablauf und Planung
Klärt alles Wesentliche im Voraus und bevor die Produktion beginnt. Eine CD-Produktion kann nicht in wenigen Wochen ohne Planung durchgezogen werden. Mindestens ein halbes Jahr sollte zwischen Beginn der Planung und der Aufnahme liegen. Der Schnitt und die Korrekturen werden meist weitere Monate in Anspruch nehmen. In vier Wochen kommt man normalerweise nicht von der Idee zur CD.
Durchführung der Aufnahme
Wenn mit der Planung alles geklappt habt, sitzt ihr irgendwann in eurem Aufnahmeraum, das Repertoire ist perfekt geprobt, nun kann es losgehen. Für die Aufnahme einer CD in mehreren Takes hat sich dabei ein bewährter Ablauf durchgesetzt, dem fast alle Aufnahmeleiter folgen:
a) Es sollte vorab schon entschieden sein, wie die Aufstellung des Ensembles im Raum sein wird, damit die Mikrofone entsprechend aufgestellt werden können. Achtung: Der Aufbau der Mikrofone und die Verkabelung kann mehrere Stunden dauern.
b) Danach muss es immer einen Soundcheck geben. Dies kann während der Einspielprobe erfolgen. Es sollte aber am Ende eine Testaufnahme geben, die dann mit Euch und den anderen Musikern (zumindest denen, die entscheidungsbeteiligt sind) unbedingt auch angehört werden muss. Wenn Euch etwas am Klang stört, diskutiert dies jetzt. Sobald die eigentliche Aufnahme beginnt, sollte an der Mikrofonaufstellung nichts geändert werden (es sei denn, die Besetzung ändert sich).
c) Normalerweise wird von einem Satz, Stück oder zusammenhängenden Werk zunächst eine „Abhörfassung“ aufgenommen. Diese ist genau dies, sie dient dazu, dass die Musiker einen Eindruck von ihrem eigenen Spiel bekommen. Dies ist auch dann sinnvoll, wenn ihr dem Aufnahmeleiter vertraut, denn oft merken Musiker selbst am Besten, wenn etwas in der Aufnahme nicht „wirkt“ und passen sich dann entsprechend an. So lässt sich viel Zeit sparen, da der Aufnahmeleiter nicht erst erklären muss, warum etwas im Spiel verändert werden sollte. Beim oder nach dem Abhören können auch Besonderheiten angesprochen werden. Dies hilft dem Aufnahmeleiter auch dabei, zu verstehen, was die Musiker erreichen wollen und was ihnen wichtig ist.
d) Dann beginnt die eigentlich Aufnahme des Stücks. Meist werden zunächst mehrere Komplettfassungen aufgenommen (bei längeren Stücken kann dies aber auch gleich unterteilt werden). Der Aufnahmeleiter macht sich dann Notizen und sollte den Überblick haben, an welchen Stellen es noch Probleme gibt. Vielleicht seid ihr so gut vorbereitet, dass dann bereits alles perfekt zusammen passt. Oft bleiben aber einzelne Stellen, die noch Nachbesserungen brauchen. Dann ist es meist sinnvoller, einzelne Problemstellen abzudecken, indem beispielsweise nur 20 Takte gespielt werden. Besonders heikle Passagen können so meist schneller bewältigt werden. Am Ende wird, wenn es die Zeit erlaubt, oft noch eine weitere Komplettfassung aufgenommen. Diese ist oft die beste Fassung und dient dann als Grundlage für den Schnitt.
e) So werden nacheinander alle geplanten Werke eingespielt. Sollte die Besetzung der Werke unterschiedlich sein, sollte die Reihenfolge gut geplant werden, so dass einzelne Musiker möglichst wenig warten müssen. Besprecht dies im Vorfeld. Bei der Planung sollte aber auch Tageszeit und -form berücksichtigt werden. Ein besonders schweres Stück sollte möglichst weder direkt früh morgens, noch spät am Abend auf dem Programm stehen.
e) Wenn das gesamte Repertoire aufgenommen wurde, muss noch die Technik abgebaut werden, was wieder einige Stunden dauern kann.
Der Schnitt
Nach der Aufnahme erfolgt der Schnitt. Hierbei werden die besten Takes ausgewählt und aneinander gefügt. Dies geschieht heutzutage in speziellen Programmen für den Klassikschnitt und sollte einem Fachmann überlassen werden.
Der übliche Ablauf ist: Zunächst wird ein Erstschnitt hergestellt. Dieser wird dann von den Musikern (also zumindest denen, die mitentscheiden) kritisch abgehört. Fast immer werden die Musiker dann noch Wünsche haben. Am Besten, einer sammelt alle diese Wünsche und gibt sie dann als Liste (mindestens mit Zeit-, gerne zusätzlich mit Taktangabe) an denjenigen, der den Schnitt anfertigt, weiter. Dafür können auch spezielle online-Portale wie Samply.app genutzt werden, die den Prozess vereinfachen.
Dann wird entsprechend nachgebessert, indem Alternativen aus anderen Takes herangezogen werden. Nicht immer lässt sich alles zu 100% perfekt realisieren – Menschen sind eben keine Maschinen –, aber das macht oft den Charme einer Aufnahme erst aus.
Danach erfolgt ein weiterer Korrekturgang, um neu entstandene oder eventuell übersehene Probleme zu finden.
Klang und Mix
Heutzutage wird fast immer im Multitrack-Verfahren aufgenommen, so dass auch nachträglich noch die Balance zwischen den Mikrofonen (in gewissen Grenzen) geändert werden kann. Darüber hinaus gibt es ein paar Tricks, wie man den Klang noch verbessern kann, etwa durch das Hinzufügen von künstlichem Hall, oder durch vorsichtige Frequenzgang-Korrekturen. Auch dies muss von den Musikern geprüft werden und eventuelle Wünsche sollten kommuniziert werden.
15. Herstellung der Master-Dateien
Für die CD-Pressung wird normalerweise ein sogenannter DDP-Master erstellt, der sämtliche Audiotracks und weitere Daten wie CD-Text, ISRC, EAN usw. enthält (s.u.), die auf die CD kodiert werden müssen. Dieser Master kann vorher probegehört und getestet werden. Dabei muss auch darauf geachtet werden, dass die Pausen zwischen den Sätzen/Werken die richtige Länge haben usw.
Zusätzlich werden normalerweise hochaufgelöste Dateien (meist 24Bit/96kHz) erstellt, die dann für online Services wie Spotify, Apple iTunes usw. verwendet werden. Das Hochladen dieser Dateien übernimmt normalerweise ein Dienstleister oder der CD-Vertrieb.
CD-Grafik usw.
Für die CD-Pressung braucht es in der Regel auch noch Grafikdateien für Cover, Booklet und CD-Label. CD-Presswerke bieten eine Vielzahl von CD-Verpackungen, die individuelle Grafikdateien benötigen. Die Verpackung ist ein zusätzlicher Kostenfaktor, einfache Jewelboxen sind meist die günstigste Variante, aufwendigere „DigiPacks“ u.ä. sind teurer, eventuell verkaufen sich eure CDs aber besser. Die Dateien müssen den Standards des Presswerkes entsprechen, die dafür entsprechende Vorlagen zur Verfügung stellen. Ob Ihr diese selber herstellen könnt oder lieber einen Grafiker beauftragt, müsst Ihr selbst entscheiden. Man sollte sich aber ein wenig mit Druckdaten und Farbsystemen auskennen.
Solltet ihr Eure CD unter einem fremden Label veröffentlichen wollen, müssen vermutlich auch die entsprechenden Angaben und Logos auf die CD gedruckt werden. Deshalb solltet ihr zu 100% wissen, wer am Ende Eure CD verkaufen soll oder ob ihr ein eigenes Label dafür gründen wollt. Erst dann kann Eure CD gepresst werden.
Weitere Angaben, die unbedingt auf der CD oder Verpackung abgedruckt werden müssen, sind LabelCode (sonst kann Eure CD nicht oder nur unter großem Mehraufwand im Rundfunk gesendet werden), ISRCs für jeden einzelnen Track (ebenfalls für die Abrechnung der Rundfunkgesellschaften wichtig) sowie eine GTIN/EAN (damit Eure CD im Laden oder über online Versender verkauft werden kann). Auch diese müssen vorher mit dem CD-Label abgestimmt werden, bzw. von diesem bezogen werden.
Solltet Ihr ein eigenes Label für Eure CD gründen wollen, müsst Ihr Euch die entsprechenden Schlüssel und Codes vorher besorgen, was Kosten verursacht. Einige Presswerke bieten an, deren LabelCode zu verwenden. Allerdings entgehen Euch dann in der Regel die Label-Einnahmen für die Sendung Eurer CD (diese werden über die GVL abgerechnet). Am Besten, Ihr klärt diese Dinge frühzeitig.
Der Auftrag ans Presswerk
Wenn alle Dateien (Grafik-Dateien und DDP-Master) vorliegen, könnt ihr diese normalerweise online an das Presswerk übermitteln. Entscheiden müsst ihr noch über die Auflage und dabei sollte man realistisch sein. Früher konnte man 1000 Stück drucken und hat dann oft die meisten auch verkauft. Heute würde ich eher die kleinste Auflage nehmen, die sich rechnet, z.B. 300 Stück. Sonst steht nur der Keller voll mit Kisten. Aber das solltet ihr selbst entscheiden. Gleichzeitig oder vorher muss zwingend ein Freistellungsauftrag an die GEMA geschickt werden, dies kann man selbst machen (dafür gibt es entsprechende Formulare) oder das Presswerk damit beauftragen. Bei Musik, die nicht mehr dem Urheberrecht unterliegt, ist dies eine reine Formsache, dauert aber ein paar Tage. Vorher darf die CD nicht gepresst werden, deshalb sollte man dies rechtzeitig angehen.
Vertrieb
Wenn Ihr mit einem existierenden Label zusammen arbeitet, dann schickt Ihr diesem die vereinbarte Anzahl CDs (oder lasst sie direkt dorthin liefern). Wenn Ihr unter eigenem Label veröffentlicht, dann braucht ihr einen entsprechenden Vertrieb, der Eure CDs in die Läden, online-Portale usw. bringt. Außerdem solltet ihr die Rundfunkarchive bemustern, sowie die Pflichtexemplare an das Deutsche Musikarchiv liefern. Natürlich solltet ihr auch Werbung für Eure CDs machen, diese für Rezensionen zur Verfügung stellen, an Rundfunkredakteure schreiben usw.
Wenn ihr weitere Fragen habt, meldet Euch gerne bei mir. Ich begleite gerne Eure CD-Produktion mit meinen Erfahrungen und würde mich freuen, wenn Ihr mich mit der Aufnahme und dem Schnitt beauftragt.
Wenn ihr ein Projekt plant, schreibt mir einfach eine Mail oder sprecht mich direkt an. Erzählt mir, was ihr vorhabt, und wir besprechen gemeinsam, was möglich ist. Ich berate euch offen, weise auch auf meine Grenzen hin – und mache euch ein verlässliches, transparentes Angebot.