Konzertvideos und Videoproduktionen

Beispiel-Video siehe unten.

Videos für Internetauftritt, YouTube-Kanäle usw. werden immer wichtiger, auch für klassische Musiker und Ensembles, die sich modern und multimedial präsentieren wollen. Professionelle Video-Produktionen sind allerdings aufwendig und vor allem teuer. Stattdessen werden dann oft einfach schnell mit dem Handy ein paar Videos gemacht – denen das dann aber auch anzusehen und vor allem anzuhören ist. Als „Blog-Post“ ok, aber als Selbstpräsentation eher nicht so ideal…

Ich habe in letzter Zeit mehrere Video-Produktionen gemacht, die einen Mittelweg gehen und sehr gute Resultate liefern. Vorweg: Wer ein aufwendiges, zu 100% professionelles Video haben möchte, sollte lieber ein entsprechendes Team bestellen. Aber wenn das Budget begrenzt ist, schaut euch einfach mal das Video unten an. Vielleicht reicht so etwas ja für Eure Zwecke?

Ich verwende dafür natürlich dieselben hochwertigen Audio-Aufnahmemöglichkeiten, die ich auch für jeden Konzertmitschnitt oder eine CD-Aufnahme nehmen würde. Eventuell müssen ein paar Kompromisse gemacht werden, damit die Mikrofone nicht das Video stören. Ganz auf Mikrofone verzichten kann ich natürlich nicht. Aber es lässt sich beispielsweise ein Stativ mit langem Arm verwenden, welches dann weiter entfernt stehen kann und so die Kameraperspektive nicht, oder weniger stört.

Die Videos werden mit mehreren iPhones gefilmt, die ich fernsteuern und überwachen kann. Die iPhones werden so aufgestellt, dass sie möglichst abwechslungsreiche Perspektiven bieten. In der Regel reichen dafür drei iPhone-Kameras, es gehen auch mehr (wenn ihr selbst welche habt).

Der Ton wird separat entweder auf einem professionellen mobilen Audio-Rekorder (bei Live-Mitschnitten) oder via Computer aufgenommen – genau so, wie ich das auch bei Konzerten oder CD-Aufnahmen mache.

Es gibt, wie bei Audio-Produktionen auch, zwei grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten:

  1. Ein Konzertmitschnitt
  2. Eine Video-Produktion in mehreren Takes

Ein Konzertmitschnitt mit Video ist kaum aufwendiger als ein reiner Ton-Mitschnitt. Zusätzlich zu den Mikrofonen müssen nach Möglichkeit mehrere Kameras sinnvoll positioniert werden (bewährt haben sich dafür stabile Klemmen). Die Beleuchtung sollte einigermaßen ordentlich sein, wobei moderne iPhones da ziemlich viel können. 

Nach dem Konzert werden die Videos und die Audioaufnahme zusammengeführt und können dann als „Multicam“ bearbeitet werden. Das bedeutet, es kann in der Nachbearbeitung zwischen den Kameras gewechselt werden (z.B. mit weichen Überblendungen), Stimmpausen können natürlich bei Bedarf entfernt werden usw. 

Korrekturen (etwa mit Aufnahmen aus Proben) sind dann allerdings kompliziert oder sogar unmöglich. Oft ist das Licht in der Probenaufnahme anders als im Konzert, Kamerawinkel, in denen Publikum zu sehen wäre, sind nicht verwendbar. Ein Schnitt nur im Audio führt fast immer zu Synchonisationsproblemen. Es gibt Tricks, aber die haben Nachteile. Deshalb, besser keine Korrekturversuche.

Eine Videoproduktion mit mehreren Takes funktioniert ähnlich wie eine CD-Aufnahme, ich kann Rotlicht und Talkback aufbauen. Allerdings kann nicht so viel und detailliert geschnitten werden, denn jedesmal, wenn es einen Schnitt im Audiomaterial gibt, muss (ungefähr) zeitgleich auch ein Kamerawechsel erfolgen. Das funktioniert sehr gut, wenn Schnitte beispielsweise an musikalischen Einschnitten erfolgen. Schnitte in engem Abstand sind dagegen eher nicht so günstig, denn sie erzeugen Unruhe im Video.

Für so eine Produktion sollte der Aufnahmeraum einigermaßen ansehnlich sein und gut beleuchtet. Natürliches Licht durch Fenster kann funktionieren, darf sich aber während der Session nicht gravierend ändern – wenn ein Gewitter aufzieht und plötzlich alles dunkel wird, passen die Takes nicht mehr zusammen. Gute künstliche Beleuchtung ist deshalb oft besser.

Ansonsten sind ähnliche Voraussetzungen wie für eine CD-Produktion notwendig, gute Akustik, keine Störgeräusche, genügend Zeit. Der Aufbau braucht deutlich mehr Zeit, auch der kombinierte Sound- und Video-Check ist aufwendiger.

Beispiel

Wie das Resultat einer solche Produktion aussehen kann, zeigt dieses Video. Im Anschluss an ein Konzert haben wir den wunderschönen Saal in der Grieg-Begegnungsstätte Leipzig genutzt, um noch „schnell“ ein Stück separat aufzunehmen. Die Mikrofone standen schon. Die ganze Sache hat ungefähr 1 Stunde gebraucht, inklusive Neuaufstellung der Kameras. Wir haben ca. 4 komplette Takes aufgenommen, von denen wir aber nur zwei im Video verwendet haben. Die Schnitte werden durch Kamerawechsel „versteckt“, es wurden außerdem viele weitere Kamerawechsel eingefügt (ohne Audio-Schnitt), um das Video lebendig zu gestalten. Da wir in hoher 4K-Auflösung aufgenommen haben, das Video aber „nur“ in HD benötigt wird, konnte außerdem nachträglich „gezoomt“ werden, so sind z.B. auch „virtuelle“ Kameraschwenks möglich. (Die Kameras wurden während der Aufnahme nicht bewegt.)

Die Video-Aufnahme haben wir mit drei iPhones gemacht, die ich zentral von einem iPad im Regieraum bedient habe.

(Idealerweise hätten wir das Mikrofonstativ hinter dem Musiker noch an anderer Stelle aufstellen sollen, aber das hätte mehr Zeit gebraucht, deshalb haben wir es so gelassen, wie es im Konzert stand.)

Die Bearbeitung erfolgte folgendermaßen: Zunächst wurde das Audiomaterial geschnitten, wobei darauf geachtet werden musste, Schnitte an geeigneten Stellen und nicht in zu schneller Abfolge einzufügen. In diesem Fall gab es da aber keinerlei Probleme.

Anschließend wurde das geschnittene Audio exportiert und in Final Cut Pro importiert. Die Videos von den einzelnen Kameras wurden ebenfalls importiert, synchronisiert und als „Multicam“-Clips angelegt. Der Schnittplan wurde Frame-genau übertragen, das geschnittene Audio dient als Tonspur. Zuletzt wurden die endgültigen Kamerawechsel und Zooms festgelegt.

Preise

Die Video-Bearbeitung ist leider immer aufwendig, allein das Zusammenführen und Synchronisieren der einzelnen Kameras kostet viel Zeit. 

Wenn ich die Videoproduktion und -bearbeitung übernehmen soll, kostet dies natürlich mehr, als wenn ich nur eine Audio-Version liefere. 

Es gibt aber Möglichkeiten, wie ihr einiges an Geld sparen könnt.

Es ist beispielsweise möglich, dass ihr die Videobearbeitung komplett selbst übernehmt. Ich kann euch dafür einen Frame-genauen Schnittplan liefern (mit ein paar pauschalen Tipps, wie die Weiterbearbeitung in Final Cut Pro gemacht wird). Das erspart mir viele Stunden Arbeit und damit euch einiges an Geld. Man sollte aber schon wissen, was man tut und entsprechende Software besitzen. Oder bereit sein, zu lernen.

Als Mittelweg kann ich auch ein Final Cut Pro Projekt anlegen, die Clips synchronisieren und für die Multicam-Bearbeitung vorbereiten. Ihr könntet dann die finale Bearbeitung in Final Cut selbst übernehmen, also die genauen Kameraperspektiven, Zooms usw. Ich kann auch zusätzlich das Final Cut Pro-Projekt als XML-File exportieren, welches dann in DaVinci Resolve importiert werden kann, inklusive der Multicam-Clips. 

(DaVinci Resolve läuft sowohl auf Mac als auch auf Windows, die Basis-Version ist kostenlos und reicht für die allermeisten Zwecke aus.)

Was bedeutet das konkret?

Die Audio-Aufnahme erfordert denselben Aufwand, wie wenn ohne Video aufgenommen wird, die dafür Kosten bleiben also gleich.

Beim Video wird es leider schwer vorhersehbar. Wenn es nur um den reinen Videomitschnitt, also das Aufstellen und Bedienen von mehreren iPhones geht, ihr die Weiterverarbeitung aber selbst übernehmen wollt, berechne ich pro von mir aufgestelltem und bedientem iPhone € 50 für einen Konzertmitschnitt. Um vernünftiges Material zu haben, sollten es mindestens zwei, besser drei iPhones sein. Ich habe zwei zur Verfügung, ein drittes kann ich bei Bedarf organisieren, die iPhones können mit Hilfe von Powerbanks versorgt werden und benötigen sonst keine Kabelverbindungen. In der Regel kann man die iPhones unauffällig per Klemmen fixieren (z.B. eines am Hauptmikrofonstativ).

Für diesen Preis liefere ich dann die separaten Videodateien – synchronisieren usw. müsst ihr dann selbst.

Wenn ich weitere Nachbearbeitungen übernehmen soll, müssen wir das individuell besprechen. Der Aufwand ist einfach zu stark vom Projekt und meinem Anteil an der Gesamtbearbeitung abhänig. 

Fragt deshalb gerne nach.